Interview mit Andrea Schacht

zu ihrem Roman Kreuzblume

Kreuzblume

Was ist für Sie das ganz Besondere, Einmalige an Antonia, der mutigen Heldin des Romans?

Ihre Fähigkeit zu überleben. Sie hat, trotz des zeitbedingten Chaos’ um sich herum, ihre innere Mitte gefunden und kann aus ihr heraus die Hürden überwinden, die sich vor ihr aufbauen (auch wenn sie dabei gelegentlich auf die Nase fällt). Durch die unkonventionelle Art, in der sie aufwächst, hat sie sich eine unabhängige Sicht der Welt erhalten, die ihr „Wahlvater“, der Freimaurer Waldegg noch weiter unterstützt. - Es hat übrigens tatsächlich sehr freigeistige Frauen in jener Zeit gegeben, die großen Salonièren von Berlin und Weimar beispielsweise.

Ihre Version der unglaublichen Geschichte von den verschwundenen Bauplänen des Kölner Doms beruht auf wahren Begebenheiten. Was war der Auslöser für Ihre Entscheidung, diese in Kreuzblume zu erzählen?

Ich stieß schon bei meinen Recherchen zu den Romanen um die Kölner Begine Almut im 14. Jahrhundert auf die alten Pläne der Domfassade. Sie faszinierten mich in ihrer Detailtreue und Größe. Also stöberte ich ein wenig hinter ihnen her und fand diese sagenhafte Geschichte vom Verschwinden und Wiederauftauchen der Pergamente - genau zum richtigen Zeitpunkt in der Weltgeschichte, 1814, als der Wunsch, die halbfertige gotische Kathedrale nach über 200 Jahren Bauruhe nun endlich zu vollenden, immer mehr Fürsprecher fand. Ein solches Thema konnte ich mir doch nicht entgehen lassen!

In Ihren Romanen gibt es viele starke Frauenfiguren. Was fasziniert Sie besonders an ihnen? Sind Ihnen vergleichbare Persönlichkeiten auch im „wirklichen Leben“ begegnet?

Es gibt starke Frauen, es gab schon immer starke Frauen, und es wird auch in Zukunft immer noch starke Frauen geben. Innere Stärke ist im Übrigen kein geschlechtsspezifisches Charakteristikum.

Und im wirklichen Leben - nun da fällt mir zum Beispiel die Geschichte meiner Großmutter ein. Knapp einsvierzig groß, kaum vierzig Kilo auf der Waage, ist ihr mit vier kleinen Kindern in Kriegszeiten eine Flucht durch ganz Deutschland gelungen, und sie überstand anschließend Hungerwinter und Trümmer. Allein, denn ihr Mann war in Gefangenschaft … - Lassen wir das. Ein Schicksal, das viele „starke Frauen“ in jener Zeit bewältigt haben.

Köln ist häufig ein Schauplatz Ihrer historischen Romane. Was mögen Sie an dieser Stadt? Meinen Sie, Köln hat sich auch heute noch etwas von der Atmosphäre früherer Zeiten bewahrt?

Köln hat eine ungeheuer spannende Geschichte, die schon mit seiner Gründung durch die Römer begann. Und vor allem ist diese Geschichte gut dokumentiert, was für eine Autorin historischer Romane von Vorteil ist. An der Stadt mag ich am meisten - nun, den Dom. Von der Atmosphäre alter Zeiten ist jedoch in Köln nur sehr wenig erhalten geblieben. Nach der vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ist die Stadt an einigen Stellen doch ein bisschen hurtig wieder aufgebaut worden.

Wie recherchieren Sie für Ihre Romane? Und wie schreiben Sie? Gibt es zuerst den Plot oder entsteht die Geschichte beim Schreiben?

Fachliteratur, Museen, Ortsbesichtigungen, zeitgenössische Literatur, Fachleute befragen, spitzfindige Google-Fragen stellen. Dann aus all den Fakten schließlich eine möglichst zeitgerechte, authentische Welt entstehen lassen. Dabei bleibt es nicht aus, dass ich manche Lücken durch meine eigene Fantasie stopfen muss, weil mir einfach kein Faktenmaterial zur Verfügung steht. Aber das ist natürlich die Freiheit der Dichterin.

Ich bin eine systematische Arbeiterin, ich recherchiere, baue die Handlung auf, stelle eine Kapitelplanung her, verknüpfe Zeitabläufe, Handlungen und Personen miteinander, bis ein festes Gewebe entsteht. Dann beginne ich zu schreiben. Und werfe oft über Bord, was ich geplant habe, nur um hinterher festzustellen, dass es dann doch wieder miteinander verknüpft ist, wie ich es mir ursprünglich vorgestellt hatte. Das ist auch für mich immer wieder ein faszinierender Vorgang.

Wie gestaltete sich der Beginn Ihrer Schriftstellerkarriere? War es schwierig, einen Verlag für das erste Manuskript zu finden?

Ich hatte das unglaubliche Glück, bereits für meinen ersten Roman einen kleinen Verlag zu finden. Das hat mir Mut gemacht, weiter zu schreiben. Danach habe ich mich in die Hände eines Agenten begeben, der mich sehr unterstützt hat.

Katzen spielen immer wieder eine besondere Rolle in Ihren Büchern. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu diesen Vierbeinern beschreiben?

Pure, schiere Bewunderung. Hochachtung und tiefe Liebe. Sie sind Inspiration, Erheiterung, Entspannung und Trost. Zwei von ihnen beherrschen mein Leben. Und ich konnte es nicht verhindern, dass sich beide in Kreuzblume als Pariser Hinterhofkatzen eingeschlichen haben.

Die Fragen stellte
Ulrike Künnecke, Literaturtest

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